Rechtsanwalt Steffens wird in 2018 Veranstaltungen zu Seniorenrecht bei EINS in der Clayallee durchführen.

Rückruf des Audi A8 in Dieselversion: Mangel wird kaschiert

11.04.2017

Autor: Fachanwalt Bank- und Kapitalmarktrecht Karl-Heinz Steffens

Schlagworte: Rückruf Audi A 8, Leasingverträge,3 Wege Finanzierung

Rückruf des Audi A8 in Dieselversion: Mangel wird kaschiert

Wie viele Eigentümer des Audi A8 jetzt der Presse entnehmen dürfen, ist auch ihr Modell mit großer Wahrscheinlichkeit vom Abgasskandal betroffen.

Prüfer des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) haben offenbar bei der Diesel-Variante des Oberklassenmodells Audi A 8 Emissionswerte von bis zu 2000 Milligramm pro Kilometer gemessen. Erlaubt sind 80 Milligramm.

Betroffen sind Fahrzeuge, die im Zeitraum zwischen September 2013 und August 2017 produziert wurden. Die Software erreicht eine Einhaltung der Messwerte nur bei den Zimmertemperaturen, die im Labor herrschen. Kaum vorstellbar, dass den  Ingenieuren dies nicht bewusst gewesen sein soll.

Der Mangel soll auf die bewährte Weise kaschiert werden. Das Update, dass die Einhaltung der erlaubten Werte künftig bewirken soll, wird als freiwillige Optimier-ung dargestellt. Das Update soll demnach „beim Start des kalten Motors schneller optimale Betriebsbedingungen für das Abgasreinigungssystem“ herstellen. Nach-teile seien hiermit nicht verbunden.

Für Käufer, Leasingnehmer und Eigentümer, die den Audi A 8 Diesel mit einem Auto-Kredit gekauft haben, stellen sich nun viele Fragen.

Möglich ist, wegen des Mangels einen neuen Wagen zu verlangen oder ganz von dem Kauf zurückzutreten.

Derzeit verurteilen Zivilgerichte  in ganz Deutschland die Unternehmen des VW-Konzerns zwar dazu, den Kaufpreis zu erstatten, sofern Käufer von betroffenen Autos vom Kaufvertrag zurückgetreten sind, als noch kein Update zur Verfügung stand.

Die Käufer des Audi A 8 müssen sich dann die gefahrenen Kilometer anrechnen lassen. Es ist aber stark umstritten, ob die Autohäuser zunächst einen Versuch unternehmen dürfen, die Autos nachzubessern. Diesen Versuch unternimmt jetzt offenbar Audi bei vielen Fahrzeugen mit Diesel-Motoren. Es ist unklar, ob das Update nicht neue Mängel verursacht. Erste Gutachten gehen in diese Richtung.

Möglich ist, Ersatz für Wertminderung zu verlangen. Autobesitzer von bereits „offiziell“ betroffenen Modellen wissen, dass sich ihre nachgerüsteten Autos schlechter als ursprünglich erwartet verkaufen lassen. Der Wertverfall dürfte weiter stiegen, wenn Fahrverbote eingeführt werden oder die Updates zu vorzeitigem Verschleiß führen. Generell dürfte das Vertrauen in manipulierte oder nachge-besserte Fahrzeuge der Luxusklasse generell nicht allzu groß sein. Selbst der Käufer eines Gebrauchtwagens erwartet „Wertarbeit“.

Leasingnehmer müssen handeln.

Der Leasinggeber tritt Leasingnehmern die Sachmangelrechte gegen den Verkäufer ab. In der Regel sind sie daher verpflichtet, Sachmangelrechte geltend zu machen.

Versäumen Leasingnehmer das, können sie dem Leasinggeber gegenüber für den Wertverlust des Wagens haftbar sein. Leasingnehmer sollten sich deshalb beim Leasinggeber rückversichern, ob sie aktiv werden sollen oder nicht. Passivität kann hier neue Probleme verursachen.

Kreditkäufer haben unter Umständen einfache und bequeme Möglichkeiten. Die Verbraucherinformationen zu vielen ab dem 11.06.2010 geschlossenen Finanzierungsverträgen sind fehlerhaft. Solche Darlehensverträge können Kreditnehmer dann auch noch Jahre nach Vertragsschluss widerrufen. Wurde der Darlehensvertrag gleich von dem Verkäufer mit angeboten oder vermittelt, führt der Widerruf des Kreditvertrags parallel zur Rückabwicklung des Kaufvertrags. Das ist meist leichter durchzusetzen als ein auf Sachmängel gestützter Prozess. Denn hier hängt der Erfolg von dem Vollbeweis des Sachmangels, ggf. von der Arglist des Verkäufers ab. Ein auf den Widerruf gestützter Prozess stützt sich dagegen allein auf die Fehlerhaftigkeit des Vertrags. Maßgeblich sind also nur rechtliche Fragen, keine Tatsachen, die bewiesen werden müssen.

Für ab 13. Juni 2014 abgeschlossene Kreditverträge gelten noch günstigere Regeln. Nach Widerruf kann der Besitzer den Wagen zurückgeben, ohne eine Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer zahlen zu müssen.

Bestehen Rechtsschutzversicherungen, müssen diese i. d. R. eintreten. Von voreiligen Absagen der Versicherer sollten man sich dabei nicht beirren lassen.



Zurück