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Versicherungsunternehmen wollen hochverzinste Altpolicen loswerden

11.04.2017

Autor: Fachanwalt Bank- und Kapitalmarktrecht Karl-Heinz Steffens

Schlagworte: Widerruf, Lebensversicherung

Vor dem Verkauf: teure Lebensversicherungen

Versicherungsunternehmen wollen hochverzinste Altpolicen loswerden

Lebensversicherungen sind kein gutes Geschäft mehr, nicht für Versicherte, nicht für Versicherungen - es gibt zu wenig Zinsen auf dem Kapitalmarkt. Drei große Versicherungskonzerne haben jetzt angekündigt, hoch verzinste Altverträge loswerden zu wollen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) müsste eine solche Übertragung genehmigen und hat bereits angekündigt, genau zu prüfen, ob dabei die "Belange der Versicherten" gewahrt werden. Denn die Verträge blieben gültig und damit alle Verpflichtungen seitens der Versicherung.

Taugt die eigene Lebensversicherung etwas?

Diese Nachrichten sind ein guter Grund für viele Inhaber von Lebensversicherungen, ihren Vertrag zu überprüfen, meint Finanzexperte Gerald Meyer. Denn unter Umständen lohnt es sich, sich von der Lebensversicherung zu verabschieden. Aber ganz wichtig dabei ist, nichts zu überstürzen und vor allem nicht voreilig einen Vertrag zu kündigen. Lieber erst einmal Informationen einholen - zum Beispiel über das entsprechende Dossier bei der Stiftung Warentest (kostenpflichtig). Bei der Verbraucherzentrale Hamburg können Sie Ihren Vertrag auch prüfen lassen (Entgelt: 85,- Euro pro Vertrag). Und wenn Sie sich am Ende immer noch nicht sicher sind, holen Sie sich lieber Hilfe von Profis wie unabhängigen Versicherungs-beratern oder Fachanwälten.

Verzinsung wird schlechter

Grundsätzlich müssen sich Kunden von Lebensversicherungen nach Experten-einschätzung auf weiter sinkende  Verzinsungen von Lebensversicherungen einstellen. Auch 2018 geht man von fallenden Überschussbeteiligungen aus. Der Garantiezins war am 1.1.2017 bereits von 1,25 % auf 0,9% gesenkt worden.

Eine Option: Rückabwicklung

Fast 98% der Lebens- und Rentenversicherungsverträge, die zwischen 1995 und 2007 abgeschlossen wurden, sind fehlerhaft. Sie basieren auf dem sogenannten Policen-Modell. In diesem Fall lohnt es sich zu prüfen, ob man eine Rückabwicklung machen kann. Wie das geht, zeigen wir hier:

Widerruf der Lebensversicherung

+ Es muss überprüft werden, ob man beim Vertragsabschluss eine Widerspruchsbelehrung erhalten hat und ob sie korrekt ist. 

+ Ein erfolgreicher Widerspruch oder Rücktritt führt zur Rückabwicklung. Versicherte bekommen die eingezahlten Beiträge zurück und erhalten auch noch Zinsen. 

+ Ein Widerspruch ist auch noch möglich, wenn eine Lebens- oder Rentenversicherung bereits gekündigt und der Rückkaufswert von der Versicherung ausgezahlt wurde.

Entscheidend: ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung

+ Hat der Versicherer vor oder bei der Antragsstellung nicht bereits alle erforderlichen Verbraucherinformationen erteilt, liegt ein Vertragsschluss nach dem "Policen-Modell" vor.

+ Der Versicherer hätte nach Vertragsschluss alle Unterlagen zusenden und ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht belehren müssen, damit die Widerspruchsfrist zu laufen beginnt.

+ Die Verbraucher konnten zwar innerhalb einer bestimmten Frist den Vertrag widerrufen, aber ihre Rechte und Pflichten erfuhren sie erst, nachdem sie den Vertrag bereits unterzeichnet hatten.

+ Damit sind diese Verträge laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) fehlerhaft. 

+ Auch bei Verträgen von 1991 bis Ende 1994 haben Sie möglicherweise ein Widerrufsrecht. Auch hier ist die entscheidende Frage, ob Sie ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht belehrt wurden. 

Quelle: Bund der Versicherten



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