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Wie der Miterbe Finanzamt bei der Erbschaft rechnet

11.08.2017

Autor: FA Bank- und Kapitalmarktrecht RA Steffens Berlin

Schlagworte: Erbschaftssteuer, Schenkungssteuer, Finanzamt

Wie der Miterbe Finanzamt bei der Erbschaft rechnet

Hohe Freibeträge in der Kernfamilie

Die Mitglieder der Kernfamilie, also Ehegatte, Kinder, Enkel und auch die Urenkel haben hohe Erbschaftsteuerfreibeträge. Jedes Kind hat nach jedem Elternteil 400.000,00 € steuerfrei, also insgesamt 800.000,00 €. Diese Steuerfreibeträge gibt es alle zehn Jahre, sodass von den Eltern innerhalb von zehn Jahren und einem Tag auf ein Kind insgesamt 1,6 Mio. € steuerfrei übertragen werden können.

Das Finanzamt unterscheidet nicht zwischen Verschenken und Vererben. Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer sind im Prinzip dasselbe. Es kommt nur auf den Anlass an!

Freibeträge

Das gilt weiter auch für die Freibeträge. Wer vor mehr als zehn Jahren 400.000,00 € an ein Kind verschenkt hat und dann stirbt, kann als Erblasser erneut 400.000,00 € an dieses Kind steuerfrei vererben.

Das Gleiche gilt für Enkel mit einem Freibetrag von 200.000,00 € und für Urenkel mit einem Freibetrag von 100.000,00 €.

Weit besser sieht es beim Ehegatten aus. Er hat einen persönlichen Freibetrag von 500.000,00 €. Hinzu kommt ein Versorgungsfreibetrag von bis zu 256.000,00 €. Rechnet man die Freibeträge für Haushaltsgegenstände in Höhe von 41.000,00 € und für bewegliche Dinge, wie das Auto, in Höhe von 12.000,00 € hinzu, kommt man auf summa summarum 809.000,00 €, die steuerfrei vererbt werden können. Das ist doch nicht ganz schlecht.

Das Familienheim ist steuerfrei

Ergänzend kommt noch, dass das Familienheim, also das selbst bewohnte Haus, die selbst bewohnte Eigentumswohnung, völlig steuerfrei vererbt werden kann. Dabei ist es egal, wie viel es wert ist. Hier können sogar Millionenimmobilien steuer-frei vererbt werden.

Allerdings muss der Ehegatte zehn Jahre im selbstgenutzten Familienheim, das auch eine Eigentumswohnung sein kann, wohnen bleiben, damit das Familienheim völlig steuerfrei bleibt.

Selbst bei einem Auszug, der vorher stattfindet, zum Beispiel in ein Altenheim, gibt es immer noch die Freibeträge von bis zu 809.000,00 €, sodass nur in den wenigen Fällen durch den Auszug Erbschaftsteuer anfällt, bei denen die geerbte Immobilie über 500.000 Euro liegt.

Die Steuersätze für Ehegatten, Kinder, Enkel

Der Ehegatte, die Kinder und die Enkelkinder gehören zur Steuerklasse I. Werden die Freibeträge überschritten, sind die Steuersätze im Vergleich zu den anderen Steuerklassen II und III eher gering. Gehen Erwerbe von Todes wegen über den Freibetrag hinaus, wird nach der Höhe des Mehrerwerbs unterschieden.

Bei einem Mehrerwerb bis 75.000,00 € über dem oben erwähnten Freibetrag      zahlt man auf den gesamten Mehrerwerb 7 %.
Bei einem Mehrerwerb bis 300.000,00 € zahlt man auf den Mehrerwerb 11 %.
Bei einem Mehrerwerb bis 600.000,00 € zahlt man auf den Mehrerwerb 15 %.
Bei einem Mehrerwerb bis 6 Mio. € zahlt man auf den Mehrerwerb 19 %.

Immobilien werden nach dem Verkaufspreis bewertet

Sind Immobilienerwerbe zu versteuern, gelten nicht mehr wie früher wesentlich niedrigere Steuerwerte.

Es gilt grundsätzlich der wirkliche Wert der Immobilie, der sogenannte Verkehrswert oder Verkaufspreis. Dieser wird vom Finanzamt in einem vereinfachten Verfahren nach dem Bewertungsgesetz ermittelt,

vergleichbar dem Verahren wie sonst Verkehrswerte durch Sachverständigen-gutachten ermittelt werden. Ist der vom Finanzamt ermittelte Verkehrswert nach Meinung der Erben zu hoch (was nicht selten vorkommt), kann der niedrigere Wert durch ein Sachverständigengutachten nachgewiesen werden.

Für die Pflege gibt es bis zu 20.000 Euro steuerfrei

Zu beachten ist, dass es auch einen sogenannten Pflegefreibetrag gibt. Kinder und Enkel, die den Erblasser ohne Vergütung pflegen, dürfen aus dem Nachlass bis zu 20.000,00 € steuerfrei für die Pflege erhalten.

Wenn Eltern die Kinder beerben

Erben Eltern von ihren Kindern, hat jedes Elternteil nur 100.000,00 € als Freibetrag für die Erbschaftsteuer. Bei der Schenkungsteuer, bei Schenkungen der Kinder an die Eltern sogar nur 20.000,00 €.

Nur 20.000 Euro Freibetrag für Geschwister, Nichten, Neffen und Lebensgefährten

Problematisch ist, dass alle anderen, also Geschwister des Erblassers, Nichten, Neffen, Freunde oder Lebensgefährten nur einen Freibetrag von 20.000,00 € haben.

Alles, was darüber hinausgeht, ist mit 15 % bis 50 % zu versteuern. Wer mit dem Erblasser nicht verwandt ist, zahlt immer 30 % an Erbschaftsteuer. Das gilt bis zu einem Erwerb von 6.020.000,00 €. Liegt der Erwerb darüber, sind 50 % an Steuern fällig.

Steuern sparen durch Erbausschlagung

Zu beachten ist, dass man auch nach dem Erbfall durch geschickte Erbaus-schlagungen noch Steuern sparen kann. Erbt der Ehegatte infolge eines Berliner Testamentes z. B. alles und reichen seine Freibeträge nicht aus, ist es möglich, dass der Ehegatte die Erbschaft ausschlägt. An seiner Stelle werden dann die Kinder Erben. Den Ehegatten wird für die Ausschlagung der Erbschaft eine Ab-findung gewährt. Diese Abfindung gilt als vom Erblasser erworben. Damit stehen nicht nur der Freibetrag für den Ehegatten ab 500.000,00 € zur Verfügung, sondern eben auch noch die Freibeträge für die Kinder von jeweils 400.000,00 €. Zu beachten ist, dass die Erbschaft innerhalb von sechs Wochen als angenommen gilt. Allerdings gibt es auch Möglichkeiten hier die Erbschaftsannahme anzufechten, um dann in der Folge in den Genuss der weiteren Steuerfreibeträge zu kommen.

Lassen Sie sich zu der Erbschaftssteuer von einem Anwalt mit Schwer-punkt Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht beraten.

 



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