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Insolventer Policen-Aufkäufer Treuk AG, Kanzlei zur Kapitalsicherung, hinterlässt Chaos

11.10.2017

Autor: FA Bank- und Kapitalmarktrecht RA Steffens Berlin

Schlagworte: Lebensversicherung, Policenaufkäufer, Widerruf

Insolventer Policen-Aufkäufer Treuk AG, Kanzlei zur Kapitalsicherung, hinterlässt Chaos

Die Kölner Firma Treuk AG, Kanzlei zur Kapitalsicherung, hat kürzlich Insolvenz angemeldet.

Wer dort Lebensversicherungen, Bausparverträge und sonstige Geldforderungen abgetreten oder gegen Nachrangdarlehen eingetauscht hat, verliert nun sein Geld.

Die Treuk AG hatte Verbrauchern Lebensversicherungs- und Bausparverträge mit dem Versprechen abgekauft, diese aufzuwerten, berichtete kürzlich die Verbraucherzentrale Hamburg.

Bereits Ende August 2017 musste das Unternehmen demnach beim Amtsgericht Köln Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen (75 IN 356/17), heißt es in einer Meldung der Verbraucherschützer weiter.

Das Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren mit Beschluss vom 26. Oktober 2017 eröffnet.

Das Unternehmen war beim Amtsgericht Köln unter der HRB-Nummer 76225 registriert. Vorstand war Stephan Mörs, den Aufsichtsrat bildeten Jonny Trautsch, Michael Volkmer und Manfred Richter.

Auf Nachfrage des VersicherungsJournals gab es keine Reaktion des Unter-nehmens. Der Sprecher des Amtsgerichts Köln, Dr. Wolfgang Schorn, erklärte: „Insolvenzverfahren sind in der Regel in weiten Teilen nicht öffentlich.“

Insolvenzverwalter: 3,3 Millionen Euro Fehlbetrag

Im Justizportal Insolvenz-Bekanntmachungen findet sich zur Treuk AG eine knappe öffentliche Bekanntmachung. Als Geschäftszweig wird „der Ankauf von Geldforderungen, soweit dafür keine Zulassung nach dem Gesetz über das Kreditwesen (KWG) oder auch anderen gesetzlichen Vorschriften erforderlich ist“ genannt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Philip Schober von der Kanzlei aus der Kanzlei Brinkmann & Partner Partnerschaftsgesellschaft Rechtsanwälte – Steuerberater – Insolvenzverwalter bestellt.

Schober bezifferte auf Nachfrage des VersicherungsJournals den Fehlbetrag auf rund 3,3 Millionen Euro. Betroffen seien voraussichtlich 300 Anleger. Zu den Quotenaussichten könne noch keine verlässliche Aussage getroffen werden, zumal die Quote erst am Ende des Verfahrens feststehe. „Das kann sich über mehrere Jahre hinziehen“, weiß Schober aus Erfahrung.

Die Chancen auf eine gute Quote stehen schlecht. Da die Firma nach derzeitigem Überblick „mit allen Kunden den Nachrang der Forderungen gemäß § 39 Absatz 2 InsO vereinbart hat, können sie erst angemeldet werden, wenn das Insolvenzgericht besonders dazu aufruft“, so der Fachanwalt für Insolvenzrecht.

Das Gericht werde dies nur tun, wenn absehbar ist, dass die nachrangigen Gläubiger mit einer Befriedigung rechnen können. Dies wiederum ist nur der Fall, wenn die „nicht nachrangigen Forderungen vollständig befriedigt werden können“, so Schober.

Einige schlüpfen noch durch Maschen der Regulierung

Der Untertitel „Kanzlei zur Kapitalsicherung“ bei der Treuk AG dürfte eine phantasievolle Umschreibung für die Tätigkeit der Treuk AG gewesen sein. „Das Geschäftsmodell der Treuk AG war von Beginn an eine windige Angelegenheit“, meint Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Mit der Insolvenz habe das Unternehmen nun Verbraucher um Teile ihrer Altersversorgung gebracht.

Das Geschäftsmodell der Treuk AG war von Beginn an eine windige Angelegenheit.

Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg

Die Treuk AG übernahm Schmitz zufolge sichere Anlageverträge von Verbrauchern durch Abschluss von Kauf- und Abtretungsverträgen oder Nachrangdarlehens-Verträgen. Treuk behauptete offenbar, in einigen Jahren mehr aus dem Geld der Kunden zu machen. „Tatsächlich war diese Behauptung nur ein Vorwand, um an die Auszahlungen aus den ursprünglichen Verträgen zu kommen“, so Schmitz, die in der Abteilung Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen arbeitet.

Anleger tauschten laut Verbraucherzentrale bei der Treuk AG staatlich überwachte, sichere Finanzprodukte wie Kapitallebens-Versicherungen oder Bausparverträge gegen riskante und unbeaufsichtigte Geldanlagen ein. Stets sei für die neuen Verträge eine Nachrangigkeit vereinbart worden, sodass sie nicht unter die Finanzaufsicht fielen.

„Nach meinem Kenntnisstand wurden nur Lebensversicherungs-Produkte aufgekauft“, sagt dagegen der Insolvenzverwalter. Er will „verlässlich Transparenz über die wirtschaftlichen Abläufe und Finanztransaktionen herstellen“ und erwartet eine aufwändige Ermittlungsarbeit.

Seriöse Aufkäufer bieten keine Darlehen

Nachrangigkeit bedeutet, dass Auszahlungsansprüche im Falle der Insolvenz eines Unternehmens erst nach den Forderungen aller anderen Gläubiger bedient werden. Bei der Treuk AG hat sich dieses Risiko nun verwirklicht. Die Firma kann die vereinnahmten Geldbeträge nicht mehr zurückzahlen und die Ansprüche der Betroffenen werden ganz am Ende befriedigt.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte in der Vergangenheit vor dem Geschäftsmodell der Treuk AG und anderer Firmen (darunter ein „Ratgeberverein“), mit denen Treuk kooperierte, mehrfach gewarnt. So war der Ratgeber für Finanzen e.V., der bereits vor einigen Jahren negativ in die Schlagzeilen von NDR Info geraten war, von den Verbraucherschützern erfolgreich abgemahnt worden. Laut Schmitz habe man „eine Vielzahl von Fällen geprüft und dafür gesorgt, dass die Verbraucher mit anwaltlicher Hilfe ihr Geld zurück erhielten“.

Geld können Anleger nach der Insolvenz nur noch zurückholen, wenn sie Berater in Haftung nehmen, die den Vertragsschluss bei der Treuk AG empfohlen hatten.

Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg

„Geld können Anleger nach der Insolvenz nur noch zurückholen, wenn sie Berater in Haftung nehmen, die den Vertragsschluss bei der Treuk AG empfohlen hatten“, sagt Finanzexpertin Schmitz. Das könnte schwierig werden, wenn Berater gar keine Zulassung hatten. Schmitz sieht das anders: „Über welche Zulassung die Berater/ Vermittler verfügen, spielt im Schadensersatzprozess regelmäßig keine Rolle; dies ist nur aufsichtsrechtlich von Belang.“

Seit 1993 besage die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes („Bond-Urteile“), dass Anlageberatung anleger- und objektgerecht erfolgen muss.

„Wir besitzen Anhaltspunkte dafür, dass die Vermittler ihre Kunden nicht selten sogar arglistig getäuscht haben“, deutet die Finanzexpertin Schmitz die aktuelle juristische Stoßrichtung an.

Keine Mitgliedschaft im Leben-Zweitmarktverband

Die Treuk AG war nicht Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. (BVZL).

Laut Verband sollten Verbraucher, die ihre Police vorzeitig beenden wollen, Unter-nehmen außerhalb des Verbandes „mit großer Vorsicht begegnen“.

Der Grund: Nur die Verbandsmitglieder verpflichteten sich zu harten Qualitäts-kriterien beim Aufkauf deutscher Kapitalversicherungs-Policen.

Bausparverträge würden überhaupt nicht angekauft.

Wer bei einem BVZL-Mitglied seine Lebensversicherung verkauft, könne einen Kaufpreis erzielen, der über dem Rückkaufswert liegt. Zudem behielte er – anders als beim Storno der Police – einen reduzierten und in der Regel beitragsfreien Todesfallschutz.

VersicherungsJournals- Detlef Pohl



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