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Für wen lohnt sich ein Lombardkredit? Was ist das denn? Kündigung nicht möglich!

11.21.2017

Autor: FA Bank- und Kapitalmarktrecht RA Steffens Berlin

Schlagworte: Lombardtkredit, Kündigung, Fachanwalt

Lombardkredit: Besondere Kreditform im Finanzwesen

Kurzfristiges Geld, um wieder auf die Füße zu kommen oder auch eine Möglichkeit zur Investition in ein lukratives Geschäft – der Lombardkredit kann insbesondere dann helfen, wenn eine schnell verfügbare Finanzierung gefragt ist.

Beim kurz- bis mittelfristig angelegten Lombardkredit wird ein Kredit gegen eine Sicherheit in Form der Verpfändung von Wertpapieren, Bankguthaben oder beweglichen Sachen gewährt.

Für wen lohnt sich ein Lombardkredit?

 

Für Verbraucher beziehungsweise Anleger besonders interessant: Der Effekten-lombardkredit. Anleger können mithilfe des Effektenkredits oder Wertpapierkredits weitere Wertpapiere erwerben und dann mit dem daraus erwirtschafteten Gewinn den Kredit zurückzahlen. Wertpapiere unterliegen jedoch stetigen Schwankungen. Bezogen auf den Effektenlombardkredit beziehungsweise Wertpapierkredit, birgt das Prinzip Aktien-Finanzierung durch Kredit sowohl große Chancen als auch enorme Risiken. Daher sollten Neulinge mit wenig Erfahrung auf dem Aktienmarkt Abstand von der Kreditform nehmen.

Was ist ein Lombardkredit?

Ein Lombardkredit meint im Bankwesen einen kurz- bis mittelfristen Kredit, bei dem als Kreditsicherheit ein Pfand gestellt wird. Verpfändet werden können dabei je nach Art des Lombardkredits Wertpapiere, Bankguthaben oder bewegliche Sachen. Somit gehört die Pfandleihe von Pfandhäusern auch zu den Lombard-krediten.

Waren werden maximal bis zu ⅔ ihres Wertes beliehen, Wertpapiere bis zu ¾.

Grundsätzlich läuft ein Pfandkredit so ab, dass der Kreditnehmer beim Kreditgeber ein Pfand als Sicherheit hinterlegt und dafür einen Kredit erhält. Das Pfand, zum Beispiel Wertpapiere, geht dann in den Besitz des Pfandgläubigers über, wobei der vorherige Besitzer die Eigentumsrechte behält.

Der Kreditnehmer hat nun die Wahl:

Er kann die Kreditsumme zum vorher vereinbarten Zeitpunkt mitsamt Gebühren und Zinsen zurückzahlen und so wieder gegen das Pfand auszutauschen.

Er kann die Frist verstreichen lassen und somit das hinterlegte Pfand an den Pfandgläubiger verlieren.

Er kann – falls die Möglichkeit gegeben ist – den Lombardkredit verlängern, wobei hier dann in der Regel weitere Gebühren und Zinsen hinzukommen.

Falls Sie einen Lombardkredit aufnehmen, geben Sie bei Abschluss immer Ihr Einverständnis dazu, dass der Kreditgeber das Pfand veräußern darf, wenn Sie dieses nicht zum vereinbarten Zeitpunkt auslösen.

Rechtliche Basis des Kreditmodells ist § 488 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

§ 488 BGB „Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag"

(1) Durch den Darlehensvertrag wird der Darlehensgeber verpflichtet, dem Darlehensnehmer einen Geldbetrag in der vereinbarten Höhe zur Verfügung zu stellen. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, einen geschuldeten Zins zu zahlen und bei Fälligkeit das zur Verfügung gestellte Darlehen zurückzuzahlen.

(2) Die vereinbarten Zinsen sind, soweit nicht ein anderes bestimmt ist, nach dem Ablauf je eines Jahres und, wenn das Darlehen vor dem Ablauf eines Jahres zurückzuzahlen ist, bei der Rückzahlung zu entrichten.

(3) Ist für die Rückzahlung des Darlehens eine Zeit nicht bestimmt, so hängt die Fälligkeit davon ab, dass der Darlehensgeber oder der Darlehensnehmer kündigt. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Sind Zinsen nicht geschuldet, so ist der Darlehensnehmer auch ohne Kündigung zur Rückzahlung berechtigt.

Beispiel: Aktienkauf auf Kredit (Effektenlombardkredit)

Sie haben in Ihrem Depot 100 X-Aktien im Gesamtwert von 5.000 Euro und einem Beleihungswert von 50 Prozent. Sie möchten weitere X-Aktien kaufen, sind jedoch nicht liquide. Daher gehen Sie zur Bank und beleihen die Aktien mit 2.500 Euro. Ihr Depot enthält nach dem Kauf weiterer Wertpapiere X-Aktien im Volumen von 7.500 Euro und einem Saldo von -2.500 Euro auf dem Verrechnungskonto. Das Depot ist nun in der Rolle des Schuldners, nicht Sie selbst als Person. Können Sie nicht wie vereinbart zurückzahlen, erhält der Kreditgeber Eigentumsrechte an den verpfändeten Wertpapieren.

Wenn Kreditinstitute sich also Geld bei den Zentralbanken beschaffen, indem sie dafür Wechsel, Geldmarktpapiere oder Staatsanleihen und andere börsengängige Wertpapiere, die im „Lombardverzeichnis“ aufgeführt sind, als Sicherheit hinterlegen, dann spricht man von einem Lombardkredit. Entscheidend ist dabei, dass die Zentralbank mit dem so genannten Lombardsatz starken Einfluss auf die kurzfristige Beleihung der Kreditinstitute ausübt, da eine Verteuerung gleichzeitig ihre Liquidität verschlechtert bzw. für den Endkunden den Kredit teurer und damit unattraktiver macht.

Geschichtlicher Ursprung

Einige Quellen sehen den Ursprung des Lombardkredits bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. in Babylon. Der Kredit gegen Pfand zählt in jedem Fall zu den ältesten Prinzipien im Finanzwesen überhaupt.

Die moderne Variante des Pfandkredits lässt sich nach Meinung vieler Experten auf das 15. Jahrhundert zurückführen. Bereits im Mittelalter wurde Geld gegen Pfandsicherheit verliehen. Nachweise finden sich um das Jahr 1400 herum – Kaufleute sollen damals bereits Geld an Adelige gegen Pfandüberlassung verliehen haben und so den Aufstieg norditalienischer Handelshäuser vorangetrieben haben. Norditalien, genauer gesagt die Region Lombardei, ist übrigens namensgebend für den Lombardkredit.

Nach Italien wurde die Kreditform im ausgehenden Mittelalter auch in Frankreich beliebt, wo sich Pfandleihhäuser unter dem Namen „Maison de lombard“ verbreiteten und sich rasch in ganz Europa etablierten. In Deutschland wurde der Begriff Lombard erstmals im frühen 18. Jahrhundert nachgewiesen. Heute werden mehrere Kreditarten mit dem Begriff Lombardkredit beschrieben, die immer mit der Verpfändung von Vermögensgegenständen als Kreditsicherheit einhergehen und sich nach durch die Art der Pfandobjekte unterscheiden.

Arten des Lombardkredits

Im Folgenden werden fünf Unterarten des Lombardkredits vorgestellt. Während die ersten drei Arten für Verbraucher relevant sind, beziehen sich die letzten beiden Arten (Wechsellombardkredit, unechter Lombardkredit) auf die Geschäftsbe-ziehungen von Banken untereinander.

Effektenlombardkredit

Beim Effektenlombardkredit wird ein Kredit gegen die Verpfändung von Effekten – also handelbare Wertpapiere – gewährt. Somit kann er auch als Wertpapierkredit bezeichnet werden. In der Regel werden beim Effektenlombardkredit nur Gelder zur Finanzierung weiterer Wertpapierkäufe geliehen.
Die meisten Kreditinstitute eröffnen ihren Kunden eigenständige Girokonten, über die der Kredit abgewickelt wird. Die Bank ermittelt die maximal mögliche Kredithöhe, die von der Beleihungsgrenze abhängt. Beleihungsgrenze sowie Kreditlinie können dank Kursschwankungen der beliehenen Wertpapiere direkt verändert werden. Sollte die Beleihungsgrenze ohne Anpassung der Kreditlinie sinken, werden normalerweise Nachbesicherungsrechte ausgelöst. 

Warenlombardkredit und Edelmetalllombardkredit und Wechsellombardkredit

Unechter Lombardkredit
Bei einem unechten Lombardkredit handelt es sich um einen Kontokorrentkredit, dessen Besicherung auf beweglichen Sachen basiert. Während der echte Lombardkredit auf einem besonderen Kreditkonto abgewickelt wird, bezieht sich der unechte Lombardkredit in der Regel auf das bestehende Girokonto.

Wie groß ist das Risiko bei einem Lombardkredit?

Ein Lombardkredit in Form eines Wertpapierkredits (Effektenlombardkredit) kann beispielsweise bei finanziellen Engpässen oder als unterstützender Finanzhebel im Rahmen einer größeren Wertpapierinvestition eingesetzt werden. Er gilt als schnelle und unkomplizierte Kreditform. Zudem ist er häufig günstiger als andere Kreditarten.

Lukrativ ist ein Wertpapierkredit auch deshalb, weil anders als bei der Finanzierung neuer Wertpapiere über den Verkauf von vorhandenen Effekten, keine Abgeltungssteuer fällig wird.

Bei einigen Anbietern lässt sich die gewährte Kreditsumme direkt aufs Girokonto übertragen. Ihre Wertpapiere dienen dem Kreditgeber als Sicherheit. Die  Bonitätsprüfung bei der Schufa bleibt oftmals aus.

Was vielversprechend klingt, kann tatsächlich zu großen Gewinnen am Aktienmarkt führen – doch sollten Sie sich im Klaren darüber sein, dass beim Prinzip „Aktien auf Kredit kaufen“ auch ein großes Risiko besteht.

Zum einen sind Ihre als Kreditsicherheit dienenden Wertpapiere nicht vor negativen Kursschwankungen sicher und zum anderen stellen weitere Spekulationen immer auch ein zusätzliches Risiko dar. Die Hebelwirkung kann eben sowohl zu über-proportionalen Gewinnen als auch zu enormen Verlusten führen.

Lombardkredit beantragen:

In der Regel ist der Weg zum gewährten Lombardkredit ein schneller und unkomplizierter, vorausgesetzt Sie haben die nötigen Sicherheiten in der Hinterhand. Wenn Sie einen Lombardkredit beantragen möchten, können Sie sich ganz normal an ein Kreditinstitut oder einen Broker wenden – alles Weitere geht normalerweise schnell über die Bühne. Zwar bieten nicht alle Banken oder Broker Lombardkredite an, jedoch sollte es nicht schwierig sein, einen passenden Anbieter zu finden.

Nutzen Sie das Internet um Anbieter von Lombardkrediten zu finden und zu vergleichen. Wie bei einem herkömmlichen Kredit auch, sollten Sie auch möglichst viele Angebote für Lombardkredite vergleichen. Die einzelnen Broker-Banken bieten unterschiedliche Konditionen, die sich zum Teil deutlich voneinander abweichen.

So sollten Sie in erster Linie auf einen niedrigen Zinssatz achten. Auch der Beleihungswert spielt eine Rolle beim Vergleich. An der Beleihungsgrenze bestimmt sich die Kredithöhe der als Sicherheit dienenden Gegenstände. Unter Umständen sollten Sie auch darauf achten, wie das Depotvolumen bei den einzelnen Anbietern ausgestaltet ist. Viele Broker setzen ein Mindestdepotvolumen voraus.

Eine SCHUFA-Meldung ist bei den meisten Anbietern nicht nötig. In der Regel werden neben der Verpfändung oder Sicherungsübereignung von Wertpapieren keine weiteren Sicherheiten verlangt.

Aufgrund des großen Risikos beim Wertpapierkredit empfiehlt sich diese Form des Lombardkredits nicht für Neulinge im Wertpapierhandel. Für Trader, die über viel Erfahrung verfügen und / oder mögliche Verluste gut verkraften können, kann die kurzfristige Unterstützung mit Mitteln aus einem Effektenlombardkredit hingegen sinnvoll sein. Unerfahrene Händler sollten vom Aktienkauf auf Kredit Abstand nehmen.

Welche Fristen für einen abgeschlossenen Lombardkredit gelten, hängt natürlich von den jeweiligen Vertragsvereinbarungen ab. Grundsätzlich ist er ein kurz- oder mittelfristig angesetzter, befristeter Kredit, der in der Regel für bis zu zwei Jahre gewährt wird. Er kann in Teilbeträgen oder als Gesamtbetrag abgerufen werden und muss in komplettem Umfang am Fälligkeitstag zurückgezahlt werden.

Zusammengefasst

Ein Effektenlombardkredit bietet risikofreudigen und erfahrenen Anlegern dank der Hebelwirkung die Möglichkeit, überproportionale Gewinne zu erwirtschaften. Wer zum Beispiel ein Potenzial am Aktienmarkt erkennt, aber nicht über die nötigen Mittel verfügt, diese Gelegenheit nutzen zu können, dem hilft ein Lombardkredit kurzfristig aus. Unerfahrene Trader sollten aufgrund des hohen Risikos andere Finanzierungsmöglichkeiten in Erwägung ziehen, da mögliche Verluste ebenfalls extrem ausfallen können und unter Umständen in die Verschuldung führen können.

Es ist fetsgelegt, dass der Lombardtkredit nciht einfach gekündigt werden kann.

Weitere Informationen bei Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Karl-Heinz Steffens

 



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