Der Widerrufs-Joker sollte 2016 sterben! - Jetzt Widersurfsjoker II!

Viele Immobilieneigentümer nutzen eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung ihres Kreditinstituts, um aus ihrem teuren Kreditvertrag auszusteigen. Damit soll nun Schluss sein.

Viele Kunden mit Immobilienkrediten für Häuser, Eigentumswohnungen und vermietete Wohnungen konnten in den vergangenen Jahren von einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung profitieren.Die Bundesregierung will nun die Kreditinstitute vor den Kosten der kostspieligen Widerrufen schützen - zulasten vieler Kreditkunden.

Es passiert ja wirklich nicht häufig, dass Kreditunternehmen bei ihren Kredit-geschäften so schwere Fehler machen, dass die Rechtslage zugunsten der Kunden eindeutig ist. So aber geschehen in unzähligen Immobilienkreditverträgen der Jahre 2002 bis 2010, in denen die allermeisten Widerrufsbelehrungen fehlerhaft waren. Der Anteil soll um 80 % liegen. Es gibt dazu sogar Hitlisten der Kreditinstitute mit den schlechtesten Widerrufsbelehrungen.

Für Kreditkunden von Immobilienkrediten ergab sich dadurch in den letzten Jahren eine einzigartige Chance:

Sie konnten den alten Kreditvertrag widerrufen! Da die Kreditzinsen derzeit viel niedriger liegen als zwischen 2002 und 2010, einen neuen, deutlich günstigeren Kreditvertrag abschließen.

Für die Banken ist das eine Katastrophe. Sie werden bis zum heutigen Tag überschwemmt mit Widerrufen. Wobei viele Kreditkunden erst einmal schroffe Ablehnungen erhalten. Manchmal einigen sich die Streitparteien gütlich, manchmal lassen es die Kreditinstitute auf eine Rechtsstreit ankommen. Aber selbst da werden dann noch viele Vergleiche geschlossen.

Doch mit den Vorteilen der Kreditkunden soll nun Schluss sein!

Die Bundesregierung beugt sich dem Druck der Bankenlobby. Das Widerrufsrecht für private Immobilienkreditnehmer soll ab März 2016 automatisch nach zwölf Monaten enden. Das soll auch rückwirkend für die Jahre 2002 bis 2010 (Altverträge) gelten, selbst wenn der Verbraucher noch gar nicht weiß, dass seine Wider-rufsbelehrung fehlerhaft ist. Für Betroffene bedeutet das: Man muss sich beeilen.

Die Regierung regelt die Vergabe von Immobilien-Krediten neu. Das muss sie wegen EU-Vorschriften. Verbraucherschützer und Rechtsanwälte fürchten aber, dass vor allem die Banken profitieren.

Die Regierung möchte für Rechtssicherheit sorgen und schafft so vielleicht neue Probleme

Der rückwirkende Ausschluss des Widerrufsrechts ist europarechtswidrig und verfassungsrechtlich bedenklich! Es werde hier mit zweierlei Maß gemessen. Als im Jahr 2009 rund 50 000 Rentner mit überwiegend verjährten Ansprüchen wegen den Lehman-Zertifikaten mit Verlusten dastanden, da hat die Regierung zugunsten der Verbraucher die Verjährungsregeln eben nicht rückwirkend geändert.

Die Bundesregierung möchte den Banken mehr Rechtssicherheit geben. Da es bisher keine zeitliche Höchstgrenze gibt, könnten Verbraucher theoretisch noch in 20 Jahren ihren alten Immobilienkredit widerrufen.

Diese Unsicherheit könne man den Instituten nicht zumuten. Zumal sich die Existenz dieses Widerrufs-Jokers mittlerweile auch überall herumgesprochen haben sollte.

Alle, die widerrufen wollten, sollten das jetzt auch getan haben oder in der verbleibenden Frist noch tun.

In der Opposition gibt es Kritik: "Hier soll zulasten der Verbraucher die Rechtsvorschrift geändert werden, obwohl die Banken einen Fehler gemacht haben", sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Dass dieser Kniefall vor den Banken ausgerechnet aus dem Verbraucherschutz-ministerium komme, sei "peinlich". "Wir werden versuchen, im Gesetz-gebungsverfahren Änderungen zu erreichen", sagte Schick der Süddeutschen Zeitung.

Die derzeit niedrigen Zinsen machen den Widerrufs-Joker besonders wertvoll. Es gibt heutzutage Angebote für langjährige Baudarlehen zu einem Zinssatz von zwei Prozent. Im Jahr 2008 lag der Zins noch gut doppelt so hoch.

Ohne den Widerufs-Joker rechnet sich der vorzeitige Ausstieg nicht, weil Banken sich mit Vorfälligkeitsentschädigungen schadlos halten. Durch Einsatz des Widerrufs-Jokers lohnt sich der Ausstieg finanziell, was eigentlich nicht Sinn dieses Rechtsanspruchs war.

"Ich habe ja ein gewisses Verständnis dafür, dass die Banken sich beschweren, wenn sich nun viele Verbraucher Jahre später vom Vertrag lösen und deutlich ge- ringere Zinsen zahlen können", sagt Schick. "Das ist nicht die Kernfunktion des Widerrufs." Das dürfe aber nicht zum Anlass genommen werden, das Widerrufs- recht generell nach einem Jahr zu streichen, selbst wenn falsch informiert wurde. "Die Banken sollten künftig richtig belehren, dann haben sie das Problem nicht mehr", so Schick.

Die Kreditnehmer müssen sich also sputen. Doch die Banken sind längst nicht mehr so kulant wie vor einem Jahr, als man noch auf einen schnellen Vergleich hoffen konnte. Die Institute lassen es jetzt häufig auf einen Rechtsstreit ankommen.

Die Kreditnehmer sollten sich auf jeden Fall einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht nehmen - und eine Rechtsschutzversicherung haben.