Sparkassen und Zinsen - „Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei“

03.16.2016

Autor: FA Bank- und Kapitalmarktrecht RA Steffens Berlin

Schlagworte: Kreditvertrag,Bankrecht

Sparkassen und Zinsen - „Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei“

Wenn sie künftig wieder Kontogebühren verlangen, ist die EZB schuld, argumentieren die Sparkassen.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon bereitet Mitarbeiter und Kunden auf eine neue Sparrunde vor. Der anhaltende Kostendruck zwinge die Institute, weitere Stellen abzubauen – und neue Gebühren zu verlangen.

Die deutschen Sparkassen stemmen sich gegen die Minizinsen.

2015 verdienten sie nach Steuern zwei Milliarden Euro – so viel wie im Vorjahr. „Das abgelaufene Jahr war ein gutes Jahr“, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon.

Die Kreditinstitute haben mehr Einlagen von den Kunden eingesammelt, aber auch mehr Kredite vergeben – an Unternehmen und für den privaten Wohnungsbau so viel wie noch nie. „Wir haben zwei Rekordmarken erreicht.“

Doch der Trend wird so nicht weitergehen. Es sei angesichts der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank klar, „dass sich diese gutes Ergebnis nicht wiederholen wird“, sagte Fahrenschon.

Die EZB-Zinspolitik werde die 409 Sparkassen unternehmerisch in höchstem Maße fordern. Fahrenschon zeigte sich kämpferisch: „Wir glauben, dass wir mit der Situation werden umgehen können, weil wir dieser Situation aus einer Position der Stärke begegnen.“

Man sehe den schwierigen Jahren mit einem gesunden Selbstbewusstsein entgegen.

Wegen der Niedrigzinsen sank der Zinsüberschuss leicht auf 23 Milliarden Euro. Zugleich stieg der Provisionsüberschuss, den Sparkassen z. B.  durch den Verkauf von InvestmentfondsImmobilienfonds und Aktien erzielen. Die mageren Renditen lasten auch auf den eigenen Anlagen der Kreditinstitute. Im so genannten Depot-A-Geschäft mussten sie 500 Millionen Euro abschreiben.

Aus Sicht den Sparkassenpräsidenten ist nun „entschlossenes Handeln“ gefragt. Dabei geht es unter anderem um Einsparungen. „Wir werden Kosten begrenzen.“

Fahrenschon erwartet, dass die Sparkassen weiterhin viele frei werdende Stellen nicht besetzen. Im Jahr 2015 war das bei mehr als 6.400 Jobs der Fall. Zuletzt hatten die Institute rund 234.000 Mitarbeiter.

Beim notwendigen Personalabbau werde man die natürliche Fluktuation nutzen. 

Angesichts der Niedrigzinsen müssen Sparkassen zudem darüber nachdenken, Gebühren für Bankdienstleistungen zu verlangen, die bisher umsonst sind.

„Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei. Alle Marktteilnehmer müssen an- gesichts der falschen Zinspolitik neue Ertragsquellen erschließen.“ Kostenlose Girokonten bieten allerdings die meisten Sparkassen aktuell nur für bestimmte Kundengruppen wie Schüler und Studenten.

Von Negativzinsen für Sparer wollen die Sparkassen aber absehen. „Das wollen wir sicherstellen“, verspricht Fahrenschon. Die EZB verlangt einen Strafzins von 0,4 Prozent, wenn Banken bei ihr über Nacht Geld parken. Viele vor allem größere Banken verlangen wiederum einen Strafzins von Unternehmen, wenn diese kurzfristig hohe Summen parken.

Fahrenschon griff die EZB scharf an. Deren Geldpolitik bezeichnete er als falsch, gefährlich und nutzlos. Fahrenschon betonte die „besondere Verantwortung“ der Sparkassen. „Dieses Vertrauen zu erhalten, ist unsere wichtigste Aufgabe.“

Er verwies auch auf die hohe Zahl der Konten für Flüchtlinge, die Sparkassen eröffnet haben. Nach einer aktuellen Abfrage sind es nur 250.000 Flüchtlingskonten. Diese werden oft kostenlos geführt.



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