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Garantiezins - er sinkt und sinkt weiter - von 4 % auf unter 1 % pro Jahr

10.31.2017

Autor: FA Bank- und Kapitalmarktrecht RA Steffens Berlin

Schlagworte: Garantiezions, Überschussbeteiligung, Lebesnversicherung, Rentenversicherung, Widerruf, Kündigung

Garantiezins - er sinkt und sinkt - von 4 % auf unter 1 % pro Jahr

Ein Verkaufsargument der Versicherungen ist die Sicherheit der Policen. Jede Lebens- und Rentenversicherung hat ab Vertragsabschluss einen Garantiezins, der bis zum Vertragsende unverändert bestehen bleibt.

Damit garantiert die Versicherung beim Abschluss einen Wert, den die Lebens-versicherung erreichen soll.

Der Garantiezins, ist von der Politik durch Gesetz gedeckelt. Seit Jahren befindet er sich im Sinkflug, es wurde sogar diskutiert, ihn abzuschaffen.

Noch gibt es ihn: Seit Januar 2017 darf er höchstens 0,9 Prozent betragen. Einige Unternehmen unterbieten diese Höchstgrenze allerdings und bieten ihren Kunden nur Garantiezinsen zwischen 0,2 und 0,75 Prozent an.

Das Problem mit dieser Garantieverzinsung ist, dass sie nicht für den gesamten Beitrag gilt, den ein Versicherter bezahlt. Stattdessen verzinst die Versicherung nur den Sparanteil mit dem Garantiezins. Der Sparanteil bleibt übrig, nachdem vom Beitrag die Abschlussprovision sowie Kosten für Verwaltung und Todesfallleistung abgezogen worden sind.

Schon die Abschlussprovision betrug zuletzt bei einem 30 Jahre laufenden Vertrag mit 100 Euro Monatsbeitrag durchschnittlich 1.440 Euro, verteilt auf fünf Jahre.

Auf Druck des Gesetzgebers mussten die Versicherer die Abschlusskosten bereits senken. In den ersten fünf Jahren dürfen sie 2,5 Prozent aller Beiträge, als Kosten abziehen. Das sind bei einem diesem Vertrag 900 Euro. Dennoch betrug 2015 die Abschlusskostenquote immer noch 4,9 Prozent.

Weiter sind Verwaltungskosten zu berücksichtigen. Im Durchschnitt lagen diese in den vergangenen Jahren laut Branchenkenner Map-Report bei etwa 2 Prozent por Jahr. Dabei schwankt dieser Wert erheblich: Einige Unternehmen nehmen 0,8 Prozent, andere über 10 Prozent.

Was bleibt nach diesen Kosten effektiv an garantierter Rendite übrig?

Die Ratingagentur Assekurata hat für 34 Lebensversicherer ausgerechnet, welche effektive Beitragsrendite sich nach Kosten ergibt:

Von versprochenen 0,9 Prozent bleiben im Durchschnitt bei Rentenversicherungen nur gut 0,1 Prozent übrig. Je nach Vertrag schlagen die Kosten noch deutlicher zu Buche. In der diesjährigen Untersuchung von Assekurata war bei einigen Versicher-ungen die Beitragsrendite sogar negativ. Bei diesen Verträgen ist also nicht einmal der eingezahlte Beitrag garantiert.

Die Garantieverzinsung, oft eines der wichtigsten Argumente für die Lebensver-sicherung, fällt also effektiv sehr mager aus.

Schlechte Aussichten auch für die Überschussbeteiligung

Die Garantieverzinsung bestimmt, was der Lebensversicherer seinen Kunden mindestens auszahlen muss. Das alleine macht aber noch nicht die Rendite des Vertrages aus.

Zusätzlich beteiligt das Unternehmen jeden Versicherten an den laufenden Ge-winnen, die durch die Investments und Anlagen der Versicherung entstehen. Das nennt man Überschussbeteiligung.

Garantiezins und Überschussbeteiligung ergeben die laufende Verzinsung des Sparanteils. Selbst diese ist seit Jahren rückläufig:

Die Versicherungsunternehmen setzen die Überschussbeteiligung jährlich neu fest. Laufende Überschüsse aus den vergangenen Jahren sind dabei grundsätzlich fest zugesagt und können nicht mehr gestrichen werden.

Theoretisch kann der Lebensversicherer in bestimmten Jahren gar keine Über-schüsse zuteilen und nur den Garantiezins zahlen. Dann würde aber das Neugeschäft leiden!

Schlussüberschuss und Effektivkosten

Zum Ende des Lebensversicherungsvertrags gibt es außerdem noch den Schluss-überschuss und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven des Unternehmens. Der Schlussüberschuss trägt durchschnittlich 20 Prozent zur gesamten Rendite von Lebens- und Rentenversicherungen bei. Er ist jedoch nicht garantiert, sondern von der Situation des Unternehmens am Ende des Vertrags abhängig.

Die Ratingagentur Assekurata hat für verschiedene Musterverträge in einer Hoch-rechnung die Gesamtverzinsung der Lebensversicherungsverträge errechnet – samt Schlussüberschuss.

Demnach beträgt die Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung oder Rentenversicherung 3,3 Prozent pro Jahr.

Wenn Sie mit Ihrem Ergebnis der Lebensversicherung deutlich unter diesem Wert sind sollten Sie prüfen ob ein Widerruf für die Lebens- oder Rentenversicherung in Frage kommt. Dann erhalten Sie deutlich mehr als 3,3 Prozent pro Jahr. Bedenken Sie auch, dass Sie bei der Lebensver-sicherung oder Rentenversicherung immer langjährig gebunden sind.

Die Kosten der Policen drücken die Rendite deutlich. Gäbe es keinen Abzug für Verwaltung und Abschluss, fiele die Gesamtverzinsung im Durchschnitt um 0,79 Prozentpunkte höher aus.

Altverträge belasten Neukunden

Das Hauptproblem für alle neuen Lebensversicherungskunden ist aber, dass die Versicherer viel Geld in die Hand nehmen müssen für die bereits bestehenden Altverträge mit hohen Garantieverzinsungen, also zum Beispiel aus den Jahren 1994 bis 1999. Damals haben die Versicherer noch 4 Prozent garantiert. Und diese Garantie müssen sie heute noch erfüllen, zu Lasten der Versicherten mit niedrigeren Garantien.

Assekurata hat ermittelt, dass die Anbieter 2016 für alle Verträge zusammengenommen eine durchschnittliche Garantieverzinsung von 2,9 Prozent aufbringen mussten – das ist viel mehr als die damals garantierten 1,25 Prozent, die Neukunden versprochen wurden. Mehr als die Hälfte aller Verträge hat einen Garantiezins von mindestens 3 Prozent.

Damit die Lebensversicherungen auch in Zukunft ihre Garantien erfüllen können, hat ihnen der Gesetzgeber die sogenannte Zinszusatzreserve auferlegt. Die Versicherer müssen diese Rücklage bilden, weil sie auch in den kommenden Jahren die hohen versprochenen Zinsen wahrscheinlich aus dem laufenden Geschäft nicht finanzieren können. Seit 2011 haben die Versicherungen 45 Milliarden Euro in dieser Reserve zurückgelegt. Für 2017 erwartet die Versicherungswirtschaft, dass weitere 20 Milliarden im Topf landen.

Dieses Geld brauchen sie vor allem, um die hoch verzinsten Altverträge bedienen zu können. Doch je länger die Phase der Niedrigzinsen anhält, desto mehr Verträge auch mit niedrigerem Garantiezins können sie dann nur noch aus der Reserve bezahlen. Bereits 2017 müssen auch schon Verträge mit einem Garantiezins von 2,8 Prozent aus dem Topf bezuschusst werden. Das schmälert die Aussichten für die Überschussbeteiligung für Neuverträge, denn das Geld, das die Versicherung erwirtschaftet, fließt erstmal in die Zinszusatzreserve.

Sollten die Zinsen weiterhin niedrig bleiben, werden Kunden wohl immer weniger Überschussbeteiligung bekommen. In der Studie fanden die Analysten von Assekurata heraus, dass die laufende Verzinsung, bei der auch die Überschüsse eingerechnet werden, für neuere Verträge schneller sinkt als bei alten.

Damit nicht genug: Die Bundesbank hat 2014 ausgerechnet, was passieren würde, falls bis 2023 die Zinsen konstant niedrig blieben. Das Ergebnis: 3 von 85 Lebensversicherern könnten ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und wären wohl auf staatliche Sicherungsmaßnahmen angewiesen. Falls die Zinsen weiter sinken, wären laut Bundesbank sogar 13 Versicherer gefährdet. Wohlgemerkt: Die Bundesbank geht von ganz bestimmten Szenarien aus, die so nicht eintreten müssen. Aber die Studie zeigt trotzdem, in welcher ernsten Lage sich die Branche befindet.

Wo überall eine Lebensversicherung enthalten sein kann

Die Lebensversicherung steckt in vielen Verträgen, die oft für die Altersvorsorge abgeschlossen werden.

Direktversicherung oder Pensionskasse - Dies sind Formen der betrieblichen Altersvorsorge, hinter denen sich vor allem eine klassische Rentenversicherung verbergen kann. Eine Direktversicherung ist vor allem bei kleinen Unternehmen der gängigste Durchführungsweg. Die betriebliche Altersvorsorge ist durch die Förderung grundsätzlich attraktiv, insbesondere wenn der Arbeitgeber etwas dazuzahlt. Trotzdem sollten Sie genau prüfen, ob sich die Anlage in einer Rentenversicherung lohnt – und gegebenenfalls bei Ihrem Chef nach einer Alternative fragen.

Riester-Rentenversicherung - Sehr viele Riester-Verträge sind ebenfalls Rentenversicherungen, mit der dazugehörigen Förderung. Gerade hier fressen die Versicherungskosten einen großen Teil der Förderung wieder auf, was sich in einer niedrigeren durchschnittlichen Verzinsung niederschlägt, als oben beschrieben. Aber wenn Sie auf niedrige Kosten achten, gibt es durchaus auch gute Riester-Versicherungen. Wie Sie diese finden, lesen Sie in unserem Artikel Riestern mit Sicherheit. Machen Sie sich aber unbedingt mit unserem Riester-Ratgeber schlau, welche andere Formen des Riesterns es gibt und welche am besten zu Ihnen passt.

Diese Riester-Rente passt zu Ihnen

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

Altersvorsorge mit staatlicher Förderung

Speziell für Arbeitnehmer und Beamte.

Förderung durch Zulagen und Steuervorteile.

Versteuerung erfolgt im Rentenalter.

» Zum Ratgeber

Unsere Anbieter-Empfehlung:

Rentenversicherung: Hannoversche, Huk24*

Fondssparplan: DWS Toprente Dynamik über Online-Vermittler, Fairriester 2.0*, Deka Zukunftsplan Classic, Uniprofirente Select (Fonds: Uniglobal II)

Wohn-Riester: Dr. Klein*, Interhyp* und Planethyp*

Rürup-Rente - Die Rürup-Rente ist grundsätzlich für Selbstständige und Besserverdienende gedacht, als Ergänzung zur gesetzlichen Rente oder zu Ansprüchen aus einem Versorgungswerk. Sie ist grundsätzlich eine sehr rigide und unflexible Form der Altersvorsorge, deren Abschluss mit Vorsicht zu genießen ist und die nur bei bestimmten steuerlichen Konstellationen sinnvoll ist. Ob Sie dann ausgerechnet die Form einer klassischen Rentenversicherung wählen sollten, scheint sehr fraglich.

Rente gegen Einmalbetrag - Dabei handelt es sich um eine spezielle Rentenversicherung, in die der Versicherte einen (hohen) einmaligen Betrag einbezahlt, der dann sofort in eine lebenslange Rente umgewandelt wird. Ein solcher Vertrag kann sinnvoll sein, wenn Sie darauf hoffen, sehr alt zu werden und sich dagegen absichern wollen, dass Ihnen im hohen Alter das Geld ausgeht. Fachleute sprechen vom Langlebigkeitsrisiko. Wie bei allen lebenslangen Renten lohnt sich diese Versicherung nur, wenn Sie deutlich älter werden als der Durchschnitt. Auch hier gilt es, stark auf die Kosten zu achten, aber auch auf den sogenannten Rentenfaktor, denn dieser bestimmt die Höhe der Rente.

Wenn Sie bereits eine Lebens- oder Rentenversicherung haben

Kündigen Sie nicht vorschnell den bestehenden Vertrag. Unsere Warnung vor Lebens- und Rentenversicherungen bezieht sich auf neue Verträge. Für einen bestehenden Vertrag gelten andere Regeln:

Prüfen Sie in Ruhe, ob der Vertrag zu Ihnen passt und sich für Sie rechnet. Dazu können Sie beispielweise unseren Lebensversicherungsrechner benutzen. Viele alte Verträge haben hohe Garantiezinsen und sind heute eine sehr gute Geldanlage.

Wenn die Beiträge zu hoch sind, können Sie diese reduzieren oder den Vertrag ganz beitragsfrei stellen. Prüfen Sie aber, ob nicht eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung am Vertrag dranhängt und dadurch in Gefahr gerät.

Bevor Sie kündigen, sollten Sie immer versuchen, Ihre Lebensversicherung zu verkaufen. Sie haben damit die Chance, einen höheren Wert zu erzielen als durch das Kündigen. Außerdem können Sie eine Beleihung in Erwägung ziehen.

Eine Kündigung kommt vor allem infrage, wenn der Vertrag erst wenige Monate oder Jahre alt ist und Sie sich über den Abschluss ärgern, zum Beispiel, weil ein Vermittler Sie dazu gedrängt hat. Denn dann können Sie durch Kündigen immerhin einen Teil der Abschlussprovision vermeiden, da diese meistens über die ersten fünf Jahre verteilt wird. Anders gesagt: In den ersten fünf Jahren sind die Kosten bei einer Lebens- oder Rentenversicherung besonders hoch.

Mehr dazu im Ratgeber Lebensversicherung kündigen

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Alternativen zur Kündigung einer LV

Behalten Sie alte Policen mit hohem Garantiezins.

Bei langfristigem Geldbedarf sollten Sie die Versicherung verkaufen.

Bei kurzfristigem Geldbedarf können Sie Ihre Police beleihen oder beitragsfrei stellen.

» Zum Ratgeber

Unsere Anbieter-Empfehlung aus dem Finanztip Ratgeber:

für Verkauf Cashlife*, Policen Direkt*, Partner in Life* und Cumerius*

für Beleihung LV-Kredit*, SWK Bank

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Inhaltsverzeichnis

Die kapitalbildende Lebensversicherung

Das Problem mit dem Garantiezins

Schlechte Aussichten für die Überschussbeteiligung

Schlussüberschuss und Effektivkosten

Altverträge belasten Neukunden

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Wenn Sie bereits eine Lebens- oder Rentenversicherung haben

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