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Ein einfaches Testament für alle Fälle sollte jeder haben

11.02.2017

Autor: FA Bank- und Kapitalmarktrecht RA Steffens Berlin

Schlagworte: Testament, Erstberatung


  • Ein einfaches Testament für alle Fälle sollte jeder haben

Mit einfachen Testamenten ist wenigstens für den Notfall einigermaßen vorgesorgt. Zum Beispiel können Ehegatten sich einfach absichern, in dem sie handschriftlich auf einem Blatt Papier verfügen:
 

Gemeinschaftliches Testament 
Wir setzen uns gegenseitig zu alleinigen Vollerben ein. 
Radolfzell, den 01.12.2014 
Anna Müller 
Berthold Müller
 

Auch ein Testament für Alleinstehende kann sehr einfach gestaltet werden. Wenn z.B. eine alleinstehende Frau ihre Nichte zur Erbin einsetzen will, kann sie einfach von Hand schreiben:

Testament 
Ich setze meine Nichte Nicole Müller zu meiner alleinigen Vollerbin ein. 
Berlin,  den 01.12.2016 
Karl-Heinz Steffens
 

Wer ein Testament errichtet, muss sich darüber im Klaren sein, dass derjenige, den er zum Erben bestimmt, alles bekommt. Das ist aber das Gute an der Gesamtrechtsnachfolge, denn man muss die einzelnen Gegenstände des Nachlasses (Haus, Konten, Auto, etc.) im Testament nicht einzeln aufzählen.

Das wird immer wieder von Laien gemacht und dabei vergessen, den Erben ausdrücklich zu bestimmen. Das führt dann zu großen Problemen bei der Testamentsauslegung und oft zu jahrenlangen Erbprozessen. Dann muss das Nachlassgericht den Willen des Erblassers auslegen.

Der wichtigste Satz im Testament ist immer: Mein Erbe ist …. / Meine Erben sind …

  • Vererben und  Vermachen sind zwei Paar Stiefel

Für einen Laien eignen sich auch die sogenannten Vermächtnisse. Während der Erbe (zu-nächst) alles bekommt, hat er bei entsprechender testamentarischer Anordnung aus der Erb-schaft die Vermächtnisse zu erfüllen, die der sogenannte Vermächtnisnehmer bekommt. Wenn also eine Person einen Erben im Auge hat, der grundsätzlich alles bekommen soll aber auch noch andere Personen bedenken will, kann er dies mit folgender einfacher Testamentsfassung erreichen:
 

Testament 
Ich setze meine Neffin Natalie Wiech, geb. am 11.12.1998, zu meinem alleinigen Vollerben ein. Ersatzerben sind seine Kinder. Ich beschwere den Erben mit folgenden Vermächtnissen: 
Meine langjährige Freundin, Frederike Sommer,  geb. am 03.04.1960, erhält alle meine Bücher und meinen gesamten Schmuck. 
Der Verein Palliativzentrum e.V., Berlin, erhält einen Geldbetrag von € 5.000,00 aus meinem Nachlass. 
Berlin, den 01.12.2016 
Viola Werlin
 

Ein handschriftliches Testament kann man errichten, wenn man volljährig ist. Jeder, der testierfähig ist, kann ein Testament errichten. Dabei wird die Testierfähigkeit grundsätzlich vermutet. Wenn also jemand später behauptet, dass der Testamentserrichter nicht testierfähig gewesen sei, weil er z. B.  an Geistesschwäche oder einer krankhaften Störung der Geistes-tätigkeit gelitten habe, muss derjenige, der das Testament angreift, dies beweisen. Dies ist sehr schwierig, weil durch ein Gutachten nachgewiesen werden muss, dass der Testamentserrichter am Tag der Testamentserrichtung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ver-stand, was er da im Testament verfügte.
 

  • Das handschriftliche Testament

Jeder kann einfach ein handschriftliches Testament errichten. Das bedeutet, dass er von A bis Z alles mit eigener Hand schriftlich niederlegen muss. Ein Testament, das am PC errichtet wurde, ist unwirksam. Nochmals: Es geht zum Beispiel nicht an, dass ein anderer das Testament niederschreibt und der Testamentserrichter nur unterschreibt. Ein solches Testament ist unwirksam.

Ein Testament, bei dem Ort und Datum fehlen, ist grundsätzlich wirksam. Es kann aber zu Problemen kommen, wenn Ort und Datum fehlen, z. B. wenn mehrere Testamente vorhanden sind.

Wichtig ist beim Testament die Unterschrift. Sie muss am Ende des Testaments stehen. Dabei ist zu empfehlen, dass man Vor- und Nachname voll ausschreibt, wenn dies auch nicht zwingend erforderlich ist.
 

  • Korrekturen und Durchstreichungen sind möglich

Große Unsicherheit herrscht auch, ob Durchstreichungen oder Korrekturen im Testament möglich sind. Die Antwortet lautet ganz klar: Ja. Man darf verändern, korrigieren, durchstreichen, all das ändert nichts an der Wirksamkeit, sofern das Testament nur unterschrieben ist. Die Korrekturen müssen natürlich handschriftlich erfolgen. Es empfiehlt sich, bei etwaigen Änderungen neben die Änderung am Rande des Testaments erneut zu unterschreiben oder ganz am Ende erneut zu unterschreiben.
 

  • Was kostet die Hinterlegung?

Ein Testament muss nicht hinterlegt werden, um wirksam zu sein. Es genügt auch, wenn es zu Hause aufbewahrt wird. Allerdings ist die Hinterlegung zu empfehlen. Sie kostet nur noch € 75,00 an Hinterlegungsgebühr und € 15,00 (evtl. 18,00) für die Registrierung des Testaments im zentralen Testamentsregister in Berlin.
 

  • Testamente für Eheleute

Für Ehegatten empfehlen sich eventuell gemeinschaftliche Testamente, wie das Berliner Testament. Hier haben die Ehegatten dann die Sicherheit, dass der andere Ehegatte hinter seinem Rücken das Testament nicht abändern kann. Beim Ehegattentestament reicht es auch aus, dass einer das Testament schreibt und unterschreibt und der andere nur mit unterschreibt.

  • Berliner Testament

Im Berliner Testament regelt Eheleute z. B., dass sie sich gegenseitig zu Erben einsetzen und die Kinder zu sogenannten Schlusserben nach dem Tod des überlebenden Ehegatten. Der überlebende Ehegatte kann dann dieses Testament normalerweise nicht mehr abändern, was gut, aber auch schlecht sein kann. Gut ist, dass ein solches Berliner Testament vor Erbschleichern schützt, weil der überlebende Testamente schreiben kann, soviel er will. Sie sind alle unwirksam, wenn sie gegen das Berliner Testament verstoßen und beispielsweise die eigenen Kinder enterben. Diese Bindungswirkung kann aber auch zum Problem werden, wenn sich Kinder später gegenüber dem überlebenden Ehegatten undankbar erweisen. Hier kann der Fachmann durch sogenannte Abänderungsklauseln helfen.

Beim Berliner Testament haben die Kinder nach dem Tod des ersten Ehegatten Pflichtteilsansprüche. Anständige Kinder machen diese Pflichtteilsansprüche normalerweise nicht geltend. Man kann sich hiergegen auch durch sogenannte Pflichtteilsstrafklauseln schützen. Man verfügt dann, das dasjenige Kind, das den Pflichtteil durchsetzt, auch nach dem Tod des überlebenden Ehegatten nur den Pflichtteil bekommt.

Ich empfehle, dass Sie für den Notfall nur ein ganz einfaches Testament (wie oben) mit der gegenseitigen Alleinerbeneinsetzung (also in einem Satz) verfügen. Ein Berliner Testament sollte immer mit dem Fachanwalt für Erbrecht besprochen werden, weil es so weitreichende Rechtsfolgen hat, dass diese der Laie überhaupt nicht überschauen kann.

  • Alte Testamente sind gefährlich

Alte Testamente sind nicht ungefährlich. Denn Testamente werden nicht wegen Alters ungültig. Sie gelten also nach zwanzig oder vierzig Jahren immer noch. Wichtig ist daher immer der Widerruf alter Testamente. Sogar Kopien von alten Testamenten, können ohne Widerruf gefährlich sein.
 

  • Schreibfehler, Kommafehler und schlechtes Deutsch

Die Laien haben oft viel zu großen Respekt vor der Testamentserrichtung. Es ist kein Problem, ob Schreibfehler, Kommafehler, im Testament vorhanden sind oder man sich nicht gewählt ausdrücken kann. Das Testament muss auch nicht im juristischen Stil geschrieben sein. Wichtig ist, dass im Testament steht, was man will. Am allerwichtigsten ist dabei, wer Erbe sein soll, wer also alles bekommt und wer später einmal für den Nachlass grundsätzlich verantwortlich sein soll.

  • Testamente müssen beim Nachlassgericht abgegeben werden

Findet man ein handschriftliches Testament in der Wohnung des Toten auf, ist man verpflichtet, es unverzüglich beim zuständigen Nachlassgericht abzuliefern. Wer hiergegen verstößt, begeht eine Straftat und wird auch erbunwürdig. Er bekommt dann gar nichts. Das gleiche gilt bei einer Testamentsfälschung.
 

  • Auf jeden Fall 190 Euro für die Erstberatung investieren

Zum Schluss nochmals der dringende Rat, das Testament bei Ihrem Fachanwalt für Erbrecht zu besprechen und dort aufsetzen zu lassen. Das Erbrecht ist das fünfte Buch im BGB und hat die meisten Vorschriften. Es ist komplex und schwierig. Gut gemeint ist noch lange nicht gut im Testament formuliert. Zu bedenken sind auch Erbschaftsteuer, die Bindungswirkungen beim Berliner Testament, die Möglichkeiten der Testamentsvollstreckung und Erbteilung, die der Laie nicht kennen kann und vieles mehr. Jedenfalls sollten alle die Kosten einer Erstberatung beim Anwalt (€ 190,00 zuzüglich Umsatzsteuer) investieren, um sein Testament überprüfen zu lassen.



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