Rechtsanwalt Steffens wird in 2018 Veranstaltungen zu Seniorenrecht bei EINS in der Clayallee durchführen.

SEAT-Finanzierung der SEAT-Bank widerrufen

11.11.2017

Autor: Fachanwalt Bank- und Kapitalmarktrecht Karl-Heinz Steffens

Schlagworte: SEAT Bank, SEAT-Finanzierung

SEAT-Finanzierung der SEAT-Bank widerrufen - erstes Urteil gegen SEAT

Voraussetzung, um den Kreditvertrag der SEAT-Bank zu widerrufen, ist, dass ein Fehler in der Widerrufsbelehrung vorhanden ist. Dies ist der Fall, wenn Sie nicht entsprechend der gesetzlichen Vorgaben über das Widerrufsrecht belehrt wurden. Denn dann beginnt die Widerrufsfrist nicht zu laufen und das Widerrufsrecht kann zeitlich unbeschränkt ausgeübt werden.

Die rechtlichen Folgen des Widerrufs

Bevor Sie Ihre Autofinanzierung bei der SEAT-Bank widerrufen, müssen Sie sich klar darüber werden, welche rechtlichen Folgen ein Widerruf mit sich bringt. Mit dem Widerruf verwandelt sich der bisherige Kreditvertrag in ein  Rückgewährschuld-verhältnis. Das Rückgewährschuldverhältnis führt dazu, dass die gegenseitig empfangenen Leistungen zurückzugewähren sind.

Wie kommen die Parteien auseinander? Was erhalte ich / Was erhält die SEAT-Bank

Für Sie bedeutet das, dass Sie den erworbenen SEAT PKW zurückgeben müssen. Auf der anderen Seite muss die SEAT-Bank von Ihnen gezahlten Beträge zurück-erstatten. Dazu gehören die Anzahlung und die geleisteten Tilgungsraten.

Nur die Kreditzinsen darf die SEAT-Bank für sich behalten. Weitere Raten müssen ebenfalls nicht gezahlt werden.

Für SEAT-Autokredite, die vor dem 13.6.2014 abgeschlossen wurde, muss auch ein Nutzungsentgelt an die Bank gezahlt werden. Wegen des eingetretenen Wert-verlustes des Autos, lohnt sich ein Widerruf jedoch fast immer trotzdem.

Dies gilt insbesondere, wenn es sich um einen SEAT-Diesel handelt, deren Wert durch den Diesel-Skandal erheblich gesunken ist.

Ein Info-Beispiel

Kreditbetrag:    20.000 €              Vereinbarter Zinssatz:  1 % je Jahr            Anzahlung:         4000 €              Monatliche Tilgungsrate: 350 €

Nach zwei Jahren wird der Autokredit widerrufen. Der Käufer erhält von der SEAT-Bank:

Die Anzahlung                                                 4.000 €

Alle Tilgungsraten (24 Monate x 350,00 €)          8.400 €

Gesamt                                                          12.400 €

An Zinsen sind in den zwei Jahren 400 € (20.000 € x 1 % x 2 Jahre) geleistet worden. Das sind pro Jahr 200 Euro Zinsen. Bei zwei Jahren also 400 Euro. Diesen Betrag darf die SEAT-Bank einbehalten. Es wird der zwei Jahre alte SEAT zurückgegeben.

Wie erkläre ich den Widerruf

Der Widerruf wird durch eine entsprechend formulierte Erklärung gegenüber der SEAT-Bank abgegeben.

Wir geben Ihnen bei unserer kostenlosen Erstberatung eine entsprechende Formulierung vor. Gleichzeitig prüfen wir juristisch, ob auch Ihre SEAT-Finanzierung bei der SEAT-Bank widerrufen werden kann.

Diese Prüfung ist kostenlos. Nach der Prüfung erhalten Sie von unseren Rechtsanwälten eine Mitteilung über die Ihnen zustehenden Rechte und über die Chancen, diese bei der SEAT-Bank durchzusetzen.

Mandatierung / Rechtsschutzversicherung

Ob Sie uns als Rechtsanwälte mandatieren wollen, können Sie dann entscheiden.

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, dann stellen wir – sofern Sie dies wünschen – eine kostenlose Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, uns zu beauftragen, vertreten wir Ihre Interessen gegenüber der Bank und sprechen mit Ihnen alle weiter einzuleitenden Schritte durch.

Reaktion der SEAT-Bank

Wie sich die SEAT-Bank in der Zukunft bei einem Widerruf des Autokredits verhält, ist offen. 

In allen bearbeiteten Fällen wurde der Widerruf als unwirksam zurückgewiesen.

Die SEAT-Bank stellt sich auf den Standpunkt, dass die Belehrung über den Wider-ruf korrekt erfolgt sei. Wir helfen Ihnen in einem solchen Fall als Rechtsanwälte gerne dabei, den Widerruf mit gegenüber der SEAT-Bank durchzusetzen.

Das Landgericht Frankfurt am Main, 2-25 O 547/16  hat mit Urteil vom 20.10.2017 die Seat Deutschland Niederlassung GmbH wegen arglistiger Täuschung verurteilt, einen Seat Leon, der vom Abgasskandal betroffen ist, zurückzunehmen gegen Rückzahlung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung. Soweit ersichtlich handelt es sich dabei um das erste Urteil gegen Seat direkt.

Daneben hat das Landgericht Frankfurt die Volkswagen AG zu Schadensersatz in Bezug auf die Rechtsanwaltskosten verurteilt.

Der Kläger hat von der Seat Deutschland Niederlassung GmbH als Tochtergesell-schaft der Seat S.A. im August 2012 einen Seat Leon 2,0 TDI erworben. Nachdem der Kläger feststellte, dass sein Fahrzeug vom Abgasskandal betroffen ist, hat er die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung und den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt. Als sich Seat weigerte, den Kaufpreis zurück zu zahlen, erhob er gegen die Seat Deutschland Niederlassung GmbH und gegen die Volkswagen AG Klage. Dieser Klage wurde nunmehr teilweise stattgegeben.

Das LG Frankfurt teilt mit, dass der Kläger durch eine arglistige Täuschung zu dem Abschluss des Kaufvertrages bewegt wurde. Getäuscht hat die Volkswagen AG. Da es sich jedoch bei der Seat Deutschland Niederlassung GmbH um eine Tochter-gesellschaft innerhalb des VW-Konzerns handelt, muss sich diese das Verhalten der Volkswagen AG zurechnen lassen. Im rechtlichen Sinne ist sie Nichtdritte.

Der Kläger hätte darüber aufgeklärt werden müssen, dass das Fahrzeug nicht zulassungsfähig ist und der Widerruf der Typengenehmigung droht. Da er darüber nicht aufgeklärt wurde, liegt eine arglistige Täuschung vor, die zu einer Anfechtung berechtigt.

In diesem Fall besteht der Kaufvertrag nicht mehr fort, sondern ist rückabzuwickeln. Dazu hat das Landgericht die Seat Deutschland Niederlassung GmbH verurteilt.

Daneben teilte das Landgericht mit, dass auch die Volkswagen AG Schadenser-satz in der Form der Rechtsanwaltskosten des Klägers schuldet.

Die Volkswagen AG hat den Kläger durch ein sittenwidriges Verhalten vorsätzlich geschädigt. Das Gericht ist in seinem Urteil davon ausgegangen, dass Vorstands-mitglieder der Volkswagen AG Kenntnis von der Verwendung der Software hatten. Das Gericht geht davon aus, dass der Vorstand über die Verwendung der Software informiert worden ist und somit einzelne Vorstandsmitglieder einen jedenfalls be-dingten Schädigungsvorsatz gebildet haben.

Verbraucheranwälte konnten erstmals auch Seat in die Pflicht nehmen. Es be-stätigt sich, dass die Geschädigten vorsätzlich getäuscht wurden.

Immer mehr gerichtliche Urteile bestätigen, dass die Händler und auch die Volks-wagen AG für den eingetretenen Schaden aufkommen müssen.

Zu Gunsten der Geschädigten werden immer mehr Urteile gefällt. Geschädigte müssen sich jedoch beeilen, da viele Ansprüche Ende 2017 verjähren werden.

Kontaktieren Sie die Kanzlei Steffens



Zurück