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Das Geschäft mit insolventen Schiffsfonds - Rette sich wer kann!

11.11.2017

Autor: Fachanwalt Bank- und Kapitalmarktrecht Karl-Heinz Steffens

Schlagworte: Schiffsfonds, insolvente Schiffsfonds

Das Geschäft mit insolventen Schiffsfonds

Gehen Fondsschiffe pleite, verlieren Anleger meist alles. Andere aber gewinnen – wenn die Justiz mitspielt

Für Hunderttausende Anleger in Schiffsfonds muss dies nervig sein.

Ein 17-seitiges Strategiepapier der Hamburger Kanzlei Pier 11 beschreibt, wie Banken und Investoren aus insolventen Schiffen Kapital schlagen können, mit denen private Investoren zuvor viel Geld verloren haben.

Das Konstrukt sei „für beide Seiten sehr vorteilhaft“, heißt es: Die Banken könnten sich auf einfachem Wege der steigenden Kapitalkosten ihrer Problemkredite ent-ledigen. Und Investoren hätten die Möglichkeit, Schiffe mit Erholungspotenzial günstig zu erwerben. Explizit wird darauf verwiesen, dass die „beschriebene Transaktion“ auch bei einer Fondsstruktur möglich sei.

Die Seite der Anleger und deren Probleme

Ca. 600 deutsche Fondsschiffe in Schiffsfonds sind in den vergangenen Jahren in die Insolvenz gefahren. Diese Talfahrt begann ab 2008.

Anleger haben dabei Hunderte Millionen Euro verloren. Für die Anleger bedeutet eine Insolvenz meist den Totalverlust.

Erst gibt es Rettungskonzepte mit Nachschuss von Kapital durch die Anleger!

Zwei Jahre später oft die Insolvenz. Dann verlangt der Insolvenzverwalter Geld zurück. Immer mehr müssen sogar Ausschüttungen der vergangenen Jahre zurückzahlen.

Wie sieht die andere Seite der Banken und Kapitalanleger aus?

Gesucht: Kooperationswilliger Insolvenzverwalter

Seit einiger Zeit drängen US-Finanzinvestoren wie Oaktree oder KKR auf den Markt.

Sie bieten Banken an, deren notleidende Kredite (NPL) abzukaufen – zu günstigen Preisen. Subventioniert wird der Deal oft durch das Geld der Anleger, die im Insol-venzverfahren leer ausgehen.

Anschließend fahren die Schiffe unter anderer Flagge weiter. Die Überkapazität, die zu den niedrigen Frachtraten führt, bleibt. Und damit auch die Krise.

In dem Papier der Fachanwälte mit dem Titel „Erwerb von Schiffen durch NPL-Transaktion und geordnete Insolvenz“ wird deutlich, dass das Konstrukt von einem „kooperationswilligen Insolvenzverwalter“ abhängt.

Dabei muss der gemäß Insolvenzordnung vor allem eines sein: unabhängig. Unter „Vorbereitung des Insolvenzantrages“ heißt es: „Gegebenenfalls sollte eine Ver-legung des Sitzes der Kommanditgesellschaft erfolgen, insbesondere wenn als Insolvenzgericht das AG Hamburg zuständig wäre.

Dort gebe es einen Richter, der die Gläubigerrechte bei der Bestellung des Ver-walters nicht immer berücksichtige.

Die Anwälte warnen: „Die Einsetzung des gewünschten Insolvenzverwalters könnte ohne Sitzverlegung scheitern.“

Manipulation des Gerichtsstandortes

Nach dem Geschäftssitz richtet sich das Gericht. Der Richter wiederum bestimmt den Insolvenzverwalter. „Ich habe es immer abgelehnt, solche Praktiken zu unter-stützen“, sagt der Hamburger Richter Frank Frind, Vorstandsmitglied im Bundes-arbeitskreis Insolvenzgerichte.

Der Insolvenzexperte Hans Haarmeyer spricht gar von einer „Manipulation des Gerichtsstandortes“. Leider gebe es „übernahmebereite Gerichte“, die jene Fragen, die jeder Richter zu stellen hat, um Manipulationen zu verhindern, nicht stellten.

Als ein solcher Richter galt der Direktor des Amtsgerichts in Niebüll. Dutzende Schiffsinsolvenzen gingen schon über seinen Schreibtisch. Und stets wurden die gleichen Verwalter bestellt.

Capital berichtete im April 2014 am Beispiel des Tankers Margara darüber, dass plötzlich viele Gesellschaften kurz vor der Insolvenz ihren Sitz nach Sylt verlager-ten. Als Adresse diente ein Briefkasten, den eine Bremer Firma betrieb, die sich als „Dienstleister für Insolvenzverwalter“ beschreibt.

Die Gesellschaft stellte ferner die neuen Geschäftsführer. An dem Prozedere hat sich bis heute nichts geändert, nur die Adresse lautet anders. Ob Niebüll der Friedhof der Fondsschiffe bleibt, ist fraglich. Der Amtsdirektor, gegen den mehrere Strafanzeigen wegen Absprachen mit Verwaltern gestellt wurden, wechselte Anfang des Jahres nach Husum.

Wenn Sie umfassend über den Hintergrund von Schiffsfonds informiert sein wollen, dann wird auf das Praxishandbuch Schiffsfonds von Rechtsanwalt und Fach-anwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Karl-Hienz Steffens verwiesen. Dort erfahren Sie schon sehr viel über die Schiffsfonds aus rechtlicher, betriebswirt-schaftlicher und steuerlicher Hinsicht.

Diese Erkenntnisse werden natürlich auch für die Bearbeitung von Fällen von Schiffsfonds genutzt.



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